Alle Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten

Keine Einschränkung der Beweglichkeit durch schmerzende Gelenke: Für viele Menschen mit Psoriasis-Arthritis (PsA) ein Traum. Doch wie lässt sich die Erkrankung so weit in den Griff bekommen, dass sich die Gelenke deutlich verbessern?

 

Frühzeitige Diagnose für einen positiven Krankheitsverlauf

Ist ein Mensch bereits an Schuppenflechte, häufig inklusive einer Nagelpsoriasis erkrankt und kommt eine Gelenkbeteiligung hinzu, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Psoriasis-Arthritis. Es ist wichtig, dass eine Psoriasis-Arthritis (PsA) frühzeitig diagnostiziert und therapiert wird, um Mobilität zu erhalten und Schmerzfreiheit zu fördern.

Typische erste Anzeichen können beispielsweise sein:

  • Bemerken Sie verdickte Finger und Zehen?
  • Passen Ihre Ringe nicht mehr oder kommen Sie mit Ihren Füßen plötzlich nicht mehr in Ihre Schuhe rein?
  • Haben Sie ohne Grund länger anhaltende Schulter- und Knieschmerzen?
  • Können Sie die Hände nicht richtig bewegen?

Lassen Sie die Ursache bitte schnell beim Internisten oder Rheumatologen abklären. Hier wird auch eine Abgrenzung zu weiteren rheumatoiden Erkrankungen vorgenommen. Ihr Hausarzt oder Orthopäde kann Sie überweisen. Mehr Informationen finden Sie auch unter „Psoriasis-Arthritis Symptome“ und „Psoriasis-Arthritis Diagnose“.

 

Behandlung je nach Schweregrad

Für die Psoriasis-Arthritis stehen – abhängig vom Schweregrad, der Dauer der Erkrankung und dem lokalen Auftreten – verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung: Basistherapien (Krankengymnastik, Ergotherapie, physikalische Therapie und psychologische Maßnahmen) sowie medikamentöse systemische Therapien (die Entzündung wird durch die innerliche Anwendung von Medikamenten, die im ganzen Körper wirken, unter Kontrolle gebracht).

Kriterien für die Einstufung der Psoriasis-Arthritis:

  • Anzahl der betroffenen Gelenke
  • radiologische Veränderungen
  • Funktionseinschränkungen

Hier spielen auch die Beeinträchtigung der Lebensqualität und die Einschätzung durch den Patienten selbst eine Rolle.

Einteilung des Schweregrads der Psoriasis-Arthritis

Schweregrad leicht moderat/schwer
Psoriatische
Hautmanifestationen
PASI-Wert ≤ 10
BSA ≤ 10 %
PASI-Wert > 10
BSA > 10 %

 

Schweregrad leicht moderat schwer
Periphere Arthritis weniger als fünf
Gelenke betroffen
fünf oder mehr
Gelenke betroffen
fünf oder mehr Gelenke betroffen
keine radiologischen
Veränderungen feststellbar
radiologische
Veränderungen
ausgeprägte radiolo-gische Veränderungen
keine Funktions-störung feststellbar moderate Funktions-einschränkungen schwere Funktions-einschränkungen
geringer negativer Einfluss auf die Lebensqualität moderater Einfluss
auf die Lebensqualität
deutlicher negativer Einfluss auf die Lebensqualität
Bewertung durch den Patienten: leicht Bewertung durch den Patienten: mittelschwer Bewertung durch den Patienten: schwer
 

Welche weiteren Faktoren haben Einfluss auf die Behandlung?

Für eine optimale Behandlung der Psoriasis-Arthritis ist es wichtig, dass sich Rheumatologe, Radiologe und Dermatologe gut miteinander abstimmen. Folgende individuelle Faktoren sollten u.a. abgeklärt werden:

  • Wie alt ist der Patient?
  • Welche Körperregionen sind erkrankt und mit welchem Schweregrad?
  • Sind Gelenke betroffen?
  • Wie weit ist die Psoriasis-Arthritis vorangeschritten und welchen Schweregrad hat sie?
  • Sind Begleiterkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen usw.) aufgetreten?
 

Medikamentöse / systemische Therapie

Systemische Therapien wirken auf den ganzen Körper und greifen in den Entzündungsprozess der PsA ein. Es gibt zwei Arten:

  1. Immunsuppressoren, die immunologische Prozesse unterdrücken (bspw. DMARDS, disease modifying anti-rheumatic drugs als Basistherapeutika, und Biologika)
  2. Immunmodulatoren (bspw. PDE4-Hemmer), die regulierend in das Immunsystem eingreifen.

Bei den Biologika wie bspw. TNF-α-Blockern handelt es sich um Immunsuppressoren. Sie sind biotechnologisch hergestellte Antikörper, die nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip entzündungsfördernde Botenstoffe (sog. Zytokine) erkennen, diese neutralisieren und so die Entzündungsreaktion zu unterdrücken versuchen.

Die Immunmodulatoren verändern die entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Prozesse.

Bei der Wahl der Therapie kommt es generell darauf an, ob bspw. Begleiterkrankungen vorliegen, andere Medikamente eingenommen werden müssen, Niere und Leber beeinträchtigt sind, ob der Patient auch an Tuberkulose, Hepatitis oder HIV erkrankt ist. Bemerken Sie Nebenwirkungen, wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Arzt.

Die Therapie mit Medikamenten erfolgt meist nach Stufenschema:

  • Kortikoide
  • Nicht-Steroidale-Antirheumatika (NSAR)
  • Konventionelle systemische Therapien
  • PDE4-Hemmer
  • Biologika

Bei akuten, starken Schmerzen einzelner Gelenke besteht die Möglichkeit, Kortison in das Gelenk zu spritzen.

NSAR, kortikoidfreie Mittel, sollen die Entzündung hemmen und die Schmerzen verringern. Um Magenbeschwerden vorzubeugen wird häufig ein Magenschutzpräparat in Kombination empfohlen.

 

Individueller Behandlungsplan mit Medikamenten

Systemische Therapien wirken innerlich, sie betreffen also den gesamten Organismus und greifen von innen in das Immunsystem ein. Sie werden bei Psoriasis-Arthritis sowie mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte therapeutisch eingesetzt.

Je nach Präparat werden sie als Infusion, Injektion oder in Tablettenform verabreicht. Je nach Therapieart ist es u.a. notwendig, regelmäßig Blutparameter zu kontrollieren und ggf. weitere Voruntersuchungen wie ein Screening auf Tuberkulose durchzuführen.

Beispielhafte Auswahl der Behandlungsmöglichkeiten der Psoriasis-Arthritis

Bezeichnung Kortikoide NSAR Basistherapeutika/
DMARDs
PDE4-
Inhibitoren
Biologika
Wirkstoffe Kortison Ibuprofen
Diclofenac
Etoricoxib
Celecoxib
Methotrexat (MTX)
Leflunomid
Sulfasalazin
Apremilast Adalimumab
Certolizumab
Etanercept
Golimumab
Secukinumab
Infliximab
Ustekinumab
Darreichungsform Salben
Tabletten
Spritzen
Tabletten Tabletten; MTX auch als Injektion möglich Tabletten Infusion oder Injektion

NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika)

Im Anfangsstadium der Psoriasis-Arthritis steht die Schmerzlinderung und Entzündungshemmung im Vordergrund. Hier können sog. nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), also kortisonfreie Medikamente, eingesetzt werden. Dabei wird oft eine rasche Linderung der Beschwerden erreicht; der weitere Verlauf des Erkrankungsprozesses kann dadurch aber nicht beeinflusst werden.

Basistherapeutika

Basistherapeutika, auch konventionell-systemische DMARDs (disease modifying anti-rheumatic drugs) genannt, zielen darauf ab, die Überaktivität des Immunsystems zu unterdrücken und den Entzündungsvorgängen langfristig entgegenzuwirken. Auf diese Weise kann die Zerstörung von Gelenkstrukturen verringert und sogar verhindert werden, die Schmerzbelastung der Patienten sinkt.

Wenn die Basistherapeutika nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, kommen ff. Behandlungsmöglichkeiten in Betracht:

PDE4-Inhibitoren

Bei den Phosphodiesterase-4-(PDE4)-Hemmern (PDE4-Inhibitoren) in der Psoriasis und Psoriasis-Arthritis handelt es sich um eine neuartige Wirkstoffgruppe. Das Enzym (Eiweißstoff) PDE4 spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung entzündungsfördernder Botenstoffe (Zytokine). Durch die Blockade der PDE4 wird gezielt in den Entzündungsvorgang der Zellen eingegriffen.

Biologika

Biologika sind biotechnologisch hergestellte Medikamente, die gezielt in die Abläufe des Immunsystems eingreifen. Die therapeutischen Antikörper sollen verhindern, dass entzündungsfördernde Botenstoffe (wie TNFa oder verschiedene Interleukine) ihre Funktion ausführen können. Dadurch werden die Symptome der Psoriasis-Arthritis sowie der Schuppenflechte bekämpft.

 

Infografik – Systemische Therapieformen

Weitere Informationen zum Thema “Systemische Therapieformen” finden Sie zusammengefasst in der folgenden Infografik:

Infografik Tabletten

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Ergänzende Therapien

Zur Verbesserung der Gelenkfunktionen werden auch konservative physiotherapeutische Therapien eingesetzt und Heilmittel zur Alltagsunterstützung verordnet, z.B.:

  • Massagen
  • Wärme-/ Kältebehandlungen
  • Ergotherapie zur besseren Bewältigung alltäglicher Verrichtungen

Patienten mit Psoriasis und PsA leiden oftmals auch an Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Übergewicht. Bei der Wahl der richtigen Therapie spielen die Begleiterkrankungen, aber auch der Lebensstil eine wichtige Rolle. Rauchen, Alkohol und fettiges Essen können sich ungünstig auswirken (siehe auch Ernährung Schuppenflechte).

Gegen Stress eignet sich das Erlernen von Entspannungstherapien und Sport. Auch ein psychologisches Training kann helfen, mit den Einschränkungen im Alltag fertig zu werden oder neue Problembewältigungsmuster zu erlernen. Praktische Tipps finden Sie unter „Aktiv bleiben mit Psoriasis.“

topisch systematisch
konventionelle Systemtherapien PDE4-Hemmer Biologika
Balneotherapie (Bäder mit Salz und / oder anderen Wirkstoffen) üblicherweise in Kombination mit Licht- / Fototherapie (UV-B-Licht, Laser, PUVA) Fumarsäureester Apremilast Adalimumab
Calcineurin-Inhibitoren Methotrexat (MTX) Certolizumab
Dithranol Ciclosporin Etanercept
Glukokortikoide (Kortison) Retinoide Golimumab
hornlösende Substanzen (Harnstoff, Salicylsäure) PUVA Secukinumab
Retinoid Tazaroten Infliximab
Steinkohlenteer Ustekinumab
Vitamin D3 und Vitamin-D3-Abkömmlinge Ixekizumab
 

Operation

In manchen Fällen ist zur Behebung der Fehlstellung oder auch zum Ersatz eines Gelenkes ein operativer Eingriff erforderlich.