Diese Medikamente und Therapien können helfen

Eine Haut ohne schuppende Plaques am Körper und Kopf, ohne Juckreiz – für viele Menschen mit Schuppenflechte ein Traum. Doch wie lässt sich die Erkrankung – möglichst mit einer alltagstauglichen Therapie – so weit in den Griff bekommen, dass sich die individuelle Krankheitslast deutlich verbessert?

Eine mögliche Ursache der Schuppenflechte: Entzündungsreaktion des Immunsystems

Die Schuppenflechte betrifft nicht nur die Haut, sondern beeinflusst auch die Lebensqualität und den Alltag der Betroffenen. Bei rund 30% der Patienten mit Schuppenflechte können neben der Haut auch die Gelenke betroffen sein. Um das zu verstehen, hilft ein Blick auf den Ursprung der Symptome: eine chronische Entzündungsreaktion im Innern des Körpers.

Die Symptome zeigen sich zwar auf der Haut, die Ursache liegt jedoch tiefer – im Immunsystem. Das Immunsystem hat eigentlich die Aufgabe, in den Körper eingedrungene Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Bei sogenannten Autoimmunerkrankungen richtet sich dieses Abwehrsystem jedoch gegen körpereigene Strukturen.

Dabei produziert das Immunsystem vermehrt Botenstoffe, die eine Entzündung auslösen und zu den charakteristischen Symptomen führen – beispielsweise zu der stark beschleunigten Hauterneuerung bei der Schuppenflechte (siehe auch Schuppenflechte Symptome)

Was passiert im Körper genau?

Die Abwehrzellen (T-Lymphozyten) des Immunsystems lösen eine Entzündung aus, um fremde Zellen unschädlich zu machen. Dies geschieht durch die Freisetzung von entzündungsauslösenden Botenstoffen, sog. Zytokinen, vor allem Tumornekrosefaktor (TNF)-alpha und bestimmte Interleukine wie IL-17 und IL-23. Im Fall von Psoriasis attakieren sie jedoch eigene Hautzellen, die sie fälschlicherweise als körperfremd erkennen. Diese Entzündungsreaktion führt zu Hautrötungen und Juckreiz, da die Hautzellen angeregt werden sich schneller und stärker zu vermehren.

 

Mit Medikamenten gegen die Entzündung – Video

Was die Therapiemöglichkeiten der Psoriasis angeht, hat sich in den letzten Jahren viel getan: Es gibt geeignete Therapieoptionen für jeden Schweregrad und jede Ausprägungsart der Schuppenflechte. Dabei wird zwischen lokalen äußerlichen (topischen) Therapien und innerlichen (systemischen) Therapien unterschieden.

Dr. Johannes erklärt in diesem Kurz-Video die unterschiedlichen Therapie-Optionen der Psoriasis und Psoriasis-Arthritis.

 

Topische Therapie (äußerlich) – leichte Formen

Es gibt bei leichten Formen der Schuppenflechte eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten wie bspw.:

  • Balneotherapie (Bäder mit Salz und/oder anderen Wirkstoffen),
  • üblicherweise in Kombination mit Licht-/Phototherapie (UV-B-Licht, Laser, PUVA Psoralen plus Bestrahlung mit Ultraviolettem Licht UV-A)
  • Calcineurin-Inhibitoren
  • Dithranol
  • Glukokortikoide, bspw. Kortisonsalben
  • Hornlösende Substanzen (bspw. Urea Harnstoff, Salicylsäure)
  • Retinoid Tazaroten
  • Vitamin D3 und Vitamin-D3-Abkömmlinge

Bei leichten Formen der Schuppenflechte können bereits Salben und Cremes eine Linderung der Symptome verschaffen. Cremes und Salben können zudem auch ergänzend zu mittelschweren und schweren Schuppenflechten zur Behandlung eingesetzt werden (Kombinationstherapie). Die lokale Behandlung der Schuppenflechte setzt beispielsweise auf Urea Harnstoff oder Salicylsäure, die als Teil einer Salbe verarbeitet werden. Neben diesen Stoffen werden auch noch weitere Wirkstoffe wie Calcineurin-Inhibitoren, Dithranol, Glukokortikosteroide, Steinkohlenteer oder Vitamin-D3-Abkömmlinge verarbeitet. Die betroffenen Hautstellen werden mit der verabreichten Salbe regelmäßig behandelt.1

 

Systemische Therapie (innerlich) – mittelschwere-schwere Formen

Bei mittelschwerer und schwerer Ausprägungen der Erkrankung sowie bei Psoriasis-Arthritis ist die Entzündung im Inneren des Körpers stark ausgeprägt. Die Therapie sollte dann systemisch erfolgen. Dies bedeutet, dass die Entzündung durch die innerliche Anwendung von Medikamenten, die im ganzen Körper wirken, unter Kontrolle gebracht wird. Nicht alle Medikamente sind wegen der Nebenwirkungen zur Langzeittherapie geeignet. Besondere Vorsicht ist beim Genuss von Alkohol geboten. Auch bei Schwangerschaftswunsch sollte frühzeitig mit dem Arzt wegen einer Therapiepause oder eines -wechsel gesprochen werden.

Konventionelle systemische Therapie

Konventionell werden bei der Behandlung mittelschwerer- schwerer Formen der Schuppenflechte sowie bei Psoriasis-Arthritis u.a. Immunsuppressiva eingesetzt. Sie sollen die Verbreitung von Entzündungszellen verhindern, die Aktivität vorhandener Entzündungszellen reduzieren und entzündungshemmende Botenstoffe bilden.

  • Ciclosporin A
  • Methotrexat (MTX) (zugelassen nur für die schwerste Form der PSO)

Zur innerlichen Therapie stehen Präparate zur Verfügung, die primär nicht gezielt für diese Indikation entwickelt wurden. Ciclosporin A wurde zunächst zur Immunsuppression in der Transplantationsmedizin eingesetzt, Methotrexat (MTX) wurde ursprünglich für die Krebstherapie entwickelt, da es die Vermehrung von sich schnell teilenden Zellen wie Tumorzellen hemmt.

  • Fumarsäureester

Fumarsäureester (Fumarate) sind chemische Verbindungen der Fumarsäure, eines Stoffes, der im menschlichen Körper natürlicherweise vorkommt. Anwendung finden sie bei der Plaque-Psoriasis.

In allen Fällen sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt (Blutbild) erfolgen, da die langfristige Einnahme mit Nebenwirkungen verbunden sein kann.2

PDE-4-Hemmer

 PDE4-Inhibitoren greifen gezielt in das Entzündungsgeschehen ein. PDE-4 (Phophodiesterase-4) ist eine wichtige Schaltstelle in Immunzellen, die deren Aktivität bei Entzündungsreaktionen bei der mittelschweren bis schweren Schuppenflechte regulieren kann. Wird PDE-4 gehemmt, kann das eine Reduzierung der Entzündung zur Folge haben und damit auch eine Besserung der Symptome der Psoriasis bzw. Psoriasis-Arthritis. Dabei wird das Immunsystem aber nicht komplett ausgeschaltet. Die Tabletten werden zwei Mal täglich eingenommen.3

  • Apremilast

Biologika

Zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Form der Psoriasis werden u.a. biotechnologisch hergestellte Eiweiße, sog. Biologika, eingesetzt. Diese werden mit Spritze oder Pen unter die Haut gespritzt bzw. per Infusion verabreicht. Diese körperverwandten Eiweißbausteine greifen in den Entzündungsprozess der Haut ein und sollen bestimmte Botenstoffe blockieren. Beispielhaft:

  • Adalimumab
  • Certolizumab
  • Etanercept
  • Infliximab
  • Ustekinumab
  • Secukinumab
  • Ixekizumab
  • Brodalumab

Führt eine erste Therapieoption nicht zum gewünschten Erfolg, können danach weitere Medikamente eingesetzt werden.4

 

Das können Sie selbst tun

Licht und Sonne

Licht und Sonne können für unsere Haut Fluch und Segen zugleich sein. Zu starke UV-Strahlen verbrennen die Haut und schädigen sie nachhaltig. Achten Sie auf ausreichend Sonnenschutz, damit die Haut nicht austrocknet und sie durch einen Sonnenbrand nicht noch mehr gereizt wird (bspw. Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, im Sommer Sonnenbrille und Sonnenhut, Sonnenhöchsstand vermeiden, Aufenthalt im Schatten). In der richtigen Dosis können UV-Strahlen die positive Wirkung der in einer Salbe verarbeiteten Wirkstoffe positiv unterstützen und fördern auch die Bildung von Vitamin D. In der Psoriasis-Therapie wird bspw. gezielt eine Lichttherapie5 eingesetzt. Die Lichttherapie kann ambulant aber auch in speziellen Reha-Kliniken erfolgent.

Kleidung

Bevorzugen Sie Baumwolle, Leinen oder Seide und tragen Sie weite Kleidung, die nicht reibt. Auch Schuhe sollten bequem passen und nicht einschnüren. Verstecken Sie Ihre Hände nicht in Handschuhen. Lassen Sie durch atmungsaktives Material so viel Luft wie möglich an Ihren Körper.6

Hautpflege

Gerade bei Schuppenflechte ist die richtige Pflege der Haut besonders wichtig. Als bewährte Hautpflegeprodukte gelten urea-haltige Cremes und Lotionen, Öle, Umschläge und Bäder – abhängig von Symptomen und Krankheitsphase. Besprechen Sie bitte mir Ihrem Arzt, welche Produkte für Sie geeignet sind. Vermeiden Sie zusätzliche Hautreize wie Peelings, starkes Trockenreiben und heisses Duschen bzw. Baden sowie Föhnen.7  Bei Nagel-Poriasis verzichten Sie möglichst auf Nagellack und -entferner, bei Kopf-Psoriasis auf Dauerwelle und Färben. Erfahren Sie mehr unter Hautpflege bei Schuppenflechte.

Beachten Sie, dass Pflegeprodukte nicht die Psoriasis-Medikamente ersetzen, sondern als Ergänzung dienen.

Ernährung

Gerade Patienten mit Psoriasis sollten Wert auf eine gesunde Ernährung legen. Ein ausgewogener Speiseplan sollte Fisch, Obst, Salat und Gemüse, wenig Fett, selten Fleisch und Wurst, fettarme Milch, ggf. glutenfreie Lebensmittel und hochwertiges Öl umfassen. Wichtig ist auch ausreichendes Trinken, am besten kalorienarme Getränke wie Wasser.8

Psoriasis-Behandlung bedeutet auch immer sein Leben ein Stück weit zu verändern. Auf Alkohol sollten Sie möglichst verzichten und auch das Rauchen hat einen negativen Einfluss auf die Psoriasis und die Haut (siehe Schuppenflechte und Rauchen.) Keine Sorge, Verzicht und Verbote sind nicht der Hauptbestandteil einer nachhaltigen Ernährung. Ziel ist es, den Speiseplan bewusst mit Lebensmitteln zu gestalten, denen eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt wird. Erfahren Sie mehr unter Ernährung bei Schuppenflechte.

Entspannung

Phasen von Entspannung und Anspannung sollten sich abwechseln.9 Bauen Sie aktiv Ruhepausen in Ihren Alltag ein. Meditation, Massagen, Yoga, Autogens Training und Sport können beim Abschalten helfen. Vermeiden Sie Stress und scheuen Sie sich nicht, sich Hilfe zu holen oder auch mal Nein zu sagen, wenn von Ihnen zu viel verlangt wird. Dies kann genauso in der Familie wie bei Freunden oder am Arbeitsplatz vorkommen.

 

Die passende Therapie finden

Schuppenflechte ist nicht heilbar, aber sie kann in der Regel gut behandelt werden. Nicht alle Medikamente wirken gleichzeitig auf die Schuppenflechte der Haut und der Gelenke (Psoriasis-Arthritis). Dazu gibt es Unterschiede, in welcher Form die Medikamente (oral als Tablette, subkutan als Spritze oder Infusion) genommen werden und wie oft sie eingenommen werden müssen (bspw. täglich, wöchentlich, monatlich, alle zwei Monate). Von der Wirkweise der Medikamente ist auch abhängig, ob und wie oft Sie zur Kontrolle (bspw. Blutbild) in die Praxis bzw. Klinik müssen. Die meisten Medikament werden über Leber und Niere abgebaut. Einige haben Einfluss auf die roten und weißen Blutkörper. Deshalb ist es bei diesen Therapien wichtig, diese Werte regelmäßig zu kontrollieren. Manche Medikamente müssen gekühlt werden, was bei Reisen gut geplant und mit einem Medikamentenpass dokumentiert werden muss.

Beachten Sie bei der Therapieauswahl mit Ihrem Arzt, welche Einnahme Sie im Alltag am besten realisieren können, damit Sie die Therapie auch konsequent anwenden (Therapietreue). Welche Therapie der Psoriasis am besten geeignet ist, entscheidet der Facharzt für Dermatologie. Bei der Einstufung der Schuppenflechte entscheidet nicht nur die Lage und die Größe der Plaques den Schweregrad der Psoriasis, sondern auch andere Faktoren wie Lebensqualität (hier spielt auch der Juckreiz eine grosse Rolle) und schwierig zu behandelnde Regionen wie Kopf, Nagel und Genitalbereich.

Gleichzeitig sollten Ihre persönlichen Bedürfnisse an die Therapie berücksichtigt werden. Liegt beispielsweise zusätzlich zur Schuppenflechte eine Psoriasis-Arthritis vor, sollte eine Therapie gewählt werden, die sowohl auf die Haut als auch auf die Gelenke wirkt.

Wenn Sie vor allem unter dem Juckreiz leiden und sich sogar blutig kratzen, sollten Sie gemeinsam mit dem Arzt eine Option wählen, die dieses Symptom rasch und anhaltend verbessert. Denn das Kratzen führt zur verstärkten Plaques-Bildung, offene Stellen sind infektionsanfällig, durch den Juckreiz kann der Schlaf gestört sein und das Umfeld kannn irritiert auf das ständige Kratzen reagieren.

Belastet Sie Ihre Kopf- und Nagel-Psoriasis am meisten, weil sie deshalb bspw. im Beruf Probleme haben und Stigmatisierung erfahren, so fragen Sie Ihren Arzt gezielt nach einer wirksamen Therapie, die diese sichtbaren und schwierig zu behandelnden Symptome verbessert. Auch eine Hand- und Fußbeteiligung schränkt das Leben und die Arbeit der Betroffenen massiv ein. Risse und offene Wunden können dazu führen, dass man nicht mehr laufen oder greifen kann. Hier ist eine schnelle Hilfe gefragt.

 

Den richtigen Facharzt finden

Die systemische (innerliche) Behandlung der Psoriasis sollte von einem spezialisierten Facharzt auf diesem Gebiet durchgeführt werden. Dies ist im Fall von Schuppenflechte ein Dermatologe. Hautärzte mit einem besonderen Fokus auf die Therapie dieser Erkrankung haben sich häufig in regionalen Psoriasis-Netzen zusammengeschlossen. Auf der Website des PsoNet können Sie durch Eingabe Ihrer Postleitzahl nach einer solchen Schwerpunktpraxis in Ihrer Umgebung suchen.

Sind zudem die Gelenke betroffen, sollte ein Rheumatologe in die Behandlung einbezogen werden. Teilen Sie Ihrem behandelnden Arzt also bitte mit, wenn Sie Schmerzen an den Gelenken oder Sehnenansätzen z. B. an der Achillessehne verspüren. Er wird dies bei seiner Therapie berücksichtigen und Sie ggf. zusätzlich zu einem Facharzt für Rheumatologie überweisen.

 

Quellen

1 Psoriasis: Diagnostisches und therapeutisches Management, hrsg. von Peter Ulrich Elsner, Johannes Norgauer (2009), Georg Thieme Verlag.

2  Psoriasis: Ursachen und Therapie der Schuppenflechte, Matthias Augustin, Erwin Schöpf (1999), C.H.Beck. 

3 Basiswissen Dermatologie, Matthias Goebeler, Henning Hamm (2017), Springer-Verlag.

4 Schuppenflechte: was Sie schon immer über Psoriasis wissen wollten, Ulrich Mrowietz, ‎Gerhard Schmid-Ott (2011), Karger Medical and Scientific Publishers.

5 Fibel zur Lichttherapie der Psoriasis, Wolf-Henning Boehncke, Joachim Barth, Hans-Detlev Kunz (2009), Dt. Psoriasis Bund.

6 Schuppenflechte: was Sie schon immer über Psoriasis wissen wollten, Ulrich Mrowietz, ‎Gerhard Schmid-Ott (2011), Karger Medical and Scientific Publishers.

7 Rat und Hilfe bei Schuppenflechte: die neuesten Erkenntnisse zur Behandlung der Psoriasis; Hautpflege, richtige Ernährung, psychologische Aspekte, Dietlinde Burkhardt, Klaus Degitz (2005), Südwest Verlag.

8 Rat und Hilfe bei Schuppenflechte: die neuesten Erkenntnisse zur Behandlung der Psoriasis; Hautpflege, richtige Ernährung, psychologische Aspekte, Dietlinde Burkhardt, Klaus Degitz (2005), Südwest Verlag.

9 Gelassen und sicher im Stress: Das Stresskompetenz-Buch: Stress erkennen, verstehen, bewältigen. Gert Kaluza, Springer-Verlag (2015).