Der Einfluss von Psoriasis auf den Körper

Herzkreislauf, Verdauung, Psyche – die chronische Entzündungsreaktion bei Schuppenflechte und Psoriasis-Arthritis kann verschiedene Stoffwechselvorgänge beeinflussen, die für die normale Funktion von wichtigen Organen wie Herz, Darm und Gehirn wichtig sind. Da die typischen Begleiterkrankungen (Komorbidität) auch bei Menschen mit nur geringer Krankheitsaktivität auftreten können, ist hier besondere Aufmerksamkeit gefragt. Hier bekommen Sie umfangreiche Informationen zu den Begleiterkrankungen.

Wer ist betroffen?

Die typischen Begleiterkrankungen der Schuppenflechte können schon bei Patienten mit leichter Psoriasis oder bei Kindern beobachtet werden, häufiger treten sie jedoch bei Betroffenen auf, die unter stärkeren Psoriasis-Symptomen leiden.

Um das Ausmaß an Begleiterkrankungen so gering wie möglich zu halten, sollte die Schuppenflechte in einem möglichst frühen Stadium behandelt werden. Mehr erfahren Sie unter Psoriasis-Arthritis Behandlung.

 

Das metabolische Syndrom

Als metabolische Syndrom wird das gleichzeitige Auftreten unterschiedlicher Symptomen bezeichnet, welche mit dem Stoffwechsel zusammenhängen:

  • erhöhter Blutzuckerspiegel
  • Bluthochdruck
  • Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Störungen des Fettstoffwechsels (bspw. Lipödem)

Dieses kommt bei Menschen mit Psoriasis 6 Mal häufiger vor als bei der Allgemeinbevölkerung.1 Auch Menschen mit Psoriasis-Arthritis leiden vermehrt unter diesem Syndrom.2 Durch das Zusammenspiel der Faktoren kann dies wiederum Krankheitsbilder wie Diabetes oder Herzerkrankungen begünstigen. Auch eine nicht-alkoholische Fettleber tritt bei Psoriatikern häufig auf.3

 

Risiko für das Herz

Durch das Zusammenspiel der oben genannten Krankheitsbilder, kann sich die Gesundheit des Herzens verschlechtern. Die entzündlichen Prozesse, die bei der Psoriasis und Psoriasis Arthritis ablaufen, können  das Herz-Kreislaufsystem direkt schädigen. Nachweislich erleiden Menschen mit Psoriasis ohne adäquate Therapie häufiger Herzinfarkte, Thrombose-Erkrankungen und Schlaganfälle als Menschen ohne Psoriasis.  Um den gesundheitlichen Risiken vorbeugen zu können, ist eine frühzeitige Diagnose konsequente Behandlung (siehe Schuppenflechte Behandlung) die halbe Miete. Es ist daher wichtig, bestimmte Werte regelmäßig zu überprüfen, die mit den metabolischen Begleiterkrankungen in Verbindung stehen. Darunter fallen unter anderem: Body-Mass-Index, Blutdruck, Puls, Blutfettwerte (Cholesterin), Blutzucker. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob bzw. wie oft diese Tests bei Ihnen durchgeführt werden sollten.

 

Auswirkungen auf den Darm

Untersuchungen zeigen, dass die Schuppenflechte in einigen Fällen von Erkrankungen des Verdauungstrakts begleitet wird. Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa treten etwa 3,5 Mal häufiger bei Patienten mit Psoriasis auf als bei Menschen, die nicht von der Erkrankung betroffen sind.4 Auch Personen mit Psoriasis-Arthritis haben ein erhöhtes Risiko.7

Wenn Sie häufiger unter Verdauungsproblemen mit unbekannter Ursache leiden, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt darüber. Ihr Arzt oder ein Spezialist, wie zum Beispiel ein Internist oder ein Gastroenterologe, kann abklären, ob Ihren Beschwerden eine bislang unerkannte entzündliche Darmerkrankung zugrunde liegt, und eine Behandlung einleiten. Das Ergebnis dieser Untersuchungen kann zudem die Behandlung der Schuppenflechte beeinflussen. Zusätzlich kann es nch Rücksprache mit dem Arzt sinnvoll sein zu testen, ob eine Ernährungsumstellung positive Auswirkungen auf die Verdauung und die Schuppenflechte hat. Weitere Informationen dazu gibt es unter “Ernährung bei Schuppenflechte”.

 

Empfindliche Augen – Uveitis

Bei Psoriasis-Patienten kann es zu einer Entzündung der Gefäßhaut (Uvea) kommen, was sich in Form von geröteten und empfindlichen Augen äußert. Lassen Sie die Ursachen unbedingt bei einem Augenarzt abklären und sprechen Sie auch mir Ihrem Dermatologen bzw. Rheumatologen darüber. Ggf. benötigen Sie Augentropfen oder eine -creme, um den Tränenfilm zu unterstützen, Erreger zu bekämpfen oder eine Entzündung einzudämmen. Augendruckmessungen können sinnvoll sein und Sehstörungen sollten ebenfalls abgeklärt werden.

 

Infografik – Plaque-Psoriasis – Begleiterkrankungen

Weitere Informationen zum Thema “Begleiterkrankungen der Plaque-Psoriasis” finden Sie zusammengefasst in der folgenden Infografik:

Infografik Begleiterkrankungen

Download

 

Die Rolle der Psyche

Neben den körperlichen Begleiterkrankungen sind Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen keine Seltenheit: Depressionen treten bei Menschen mit Psoriasis im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung doppelt so häufig auf.4 Experten gehen davon aus, dass zwar teilweise die mit der Erkrankung verbundenen Belastungen die psychischen Begleiterscheinungen verursachen, jedoch können auch Störungen von Prozessen im Gehirn eine Rolle spielen. So wurden beispielsweise bei Menschen, die an einer Depression leiden, Hinweise auf entzündliche Vorgänge im Gehirn gefunden.5,6 Die psychische Erkrankung geht also auf verschiedene Ursachen zurück und kann unter anderem durch Entzündungskrankheiten wie Schuppenflechte und Psoriasis-Arthritis ausgelöst oder verstärkt werden.

Zögern Sie aus diesem Grund nicht, bei seelischen Leiden psychologische Hilfe zu suchen oder vertrauen Sie sich einer Bezugsperson an. Denn die bewusste Auseinandersetzung mit der Erkrankung kann auch Ihre körperlichen Beschwerden lindern. Umgekehrt können sich auch Ihre psychischen Symptome verbessern, wenn die Entzündungen sich verringern.
Sprechen Sie ausserdem Ihren Dermatologen bzw. Rheumatologen an, wenn mit Ihrer Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis depressive Verstimmungen einhergehen. Mithilfe von Testfragen der Deutschen Depressionshilfe können Sie auch vorab online einen Hinweis darauf erhalten, ob bei Ihnen möglicherweise eine Depression vorliegt. Den Selbsttest finden Sie unter: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/selbsttest

 

Seltene Begleiterkrankungen

In einigen Fällen kann Psoriasis auch andere chronische Krankheiten wie Asthma bronchiale begünstigen. Hinzukommen in seltenen Fällen folgende Begleiterkrankungen:

  • Neurodermitis
  • Nesselsucht
  • allergisches Kontakt-Ekzem
  • Heuschnupfen
 

Frühe Diagnose für geringeres Risiko

Um den gesundheitlichen Risiken vorzubeugen, ist eine frühzeitige Diagnose von begleitenden Erkrankungen sehr wichtig. Es ist daher ratsam, bestimmte Werte regelmäßig zu überprüfen, die mit den typischen Begleiterkrankungen in Verbindung stehen. Darunter fallen unter anderem:

  • Body-Mass-Index
  • Blutdruck
  • Puls
  • Blutfettwerte (Cholesterin)
  • Blutzucker

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob und wenn ja wie oft diese Tests bei Ihnen durchgeführt werden sollten. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, die von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden, sollten Sie davon unabhängig wahrnehmen.

 

Begleiterkrankungen in den Griff bekommen

Was kann ich selbst tun? Für viele Begleiterkrankungen stehen Therapieoptionen zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf verbessern bzw. abschwächen können. Essenziell ist hierbei allerdings, dass auch die Schuppenflechte weiterhin therapiert wird. Denn sie kann als Entzündungserkrankung weitere Begleiterkrankungen auslösen. Daher sollten Sie die Psoriasis regelmäßig bei ihrem Facharzt kontrollieren lassen, selbst auf mögliche Anzeichen von Begleiterkrankungen achten und Ihre Medikamente regelmäßig einnehmen.

Durch das komplexe Zusammenspiel verschiedener Krankheitsbilder kann es vorkommen, dass sich Psoriasis-Patienten regelmäßig bei verschiedenen Fachärzten vorstellen müssen. Es ist daher wichtig, einen guten Überblick über den eigenen Gesundheitsstatus und die Therapie zu haben. Damit können Sie den Austausch zwischen Ihren behandelnden Ärzten aktiv fördern und gemeinsame Therapieentscheidungen unterstützen.

 

Quellen

1 Ärzte Zeitung Online. Abrufbar unter: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/haut-krankheiten/article/472055/psoriasis-geht-oft-khk-einher.html. Letzter Zugriff 01.06.2016.
2 Haroon M, et al. Higher Prevalence of Metabolic Syndrome in Patients with Psoriatic Arthritis: A Comparison with a Control Group of Noninflammatory Rheumatologic Conditions. J Rheumatol. 2016;43:463-464.
3 Roberts et al., Aliment Pharmacol Ther 2015, 41:293-300
4 PZ Online. Abrufbar unter: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=46384. Letzter Zugriff 01.06.2016.
5 Wissenschaft aktuell. Abrufbar unter: http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Depression__Entzuendung_im_Gehirn1771015589746.html. Letzter Zugriff 01.06.2016.
6 PZ Online. Abrufbar unter: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=56207. Letzter Zugriff 01.06.2016.
7 Li WQ, et al. Psoriasis, psoriatic arthritis and increased risk of incident Crohn’s disease in US women. Ann Rheum Dis. 2013;72:1200–1205.